Täter-Opfer-Ausgleich Bremen 

Stadionverbote und restorative justce

Fußball-Fans, die durch Gewaltdelikte auffallen, erhalten häufig Stadionverbote (vgl. Nationales Konzept für  Sport und Sicherheit).

Stadionverbote können über die Dauer von mehreren Jahre verhängt werden. In Deutschland bestehen aktuell etwa 3.000 Stadionverbote. Jedes Stadionverbot kann für den einzelnen betroffenen Fan extreme Folgen haben. Ein junger Mensch, für den die Identifikation mit seinem Fußballverein wichtige Ich-stärkende Bedeutung hat, kann durch ein Stadionverbot in seinem Identitätsgefühl stark beeinträchtig sein. Daher ist ein Stadionverbot keineswegs eine Maßnahme der Prävention, sondern fördert weitere Ausgrenzung und führt dadurch eher zu mehr Gewalt.

Gemäß den DFB-Richtlinien kann ein Stadionverbot ausgesetzt, in seiner Dauer reduziert oder ganz aufgehoben werden, wenn dies nach Art und Umständen der Tat, wegen der Einsicht des vom Stadionverbot Betroffenen, seines jugendlichen Alters oder aus anderen vergleichbaren Gründen unter Beachtung der Zielsetzung des Stadionverbotes zweckmäßig erscheint (§ 7 I Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten).

Aus pädagogisch-kriminologischen Erkenntnissen heraus ist es daher sinnvoll, Stadionverbote nach Erstellung einer entsprechenden Risikoprognose und unter Auflagen zu reduzieren oder zur Bewährung auszusetzen.

Das Vorgehen in unserem Projekt „Stadionverbote und restorative justice“ beinhaltet Einzelgespräche mit dem Beschuldigten, die Ableistung von Arbeitsstunden in gemeinnütziger Tätigkeit in einem Sportumfeld der Abteilungen bei Werder Bremen oder dem Fan-Projekt Bremen e.V. und eine Abschlussevaluation.

Der Ansatz des Bremer Modellprojekts basiert auf dem Verfahren der „restorative justice“ („wiederherstellende Gerechtigkeit“). Die Idee hierbei ist die (Re-)Integration des Stadionverbotlers und die Stärkung bestehender Normen.

vgl. Winter, Frank: Außergerichtliche Lösungen von Gewaltkonflikten junger Männer im Umfeld der (Fußball)Fan-Projekte  -  Vortrag vom 13. Mai 1997 auf dem Bundeskongress der Fan-Projekte in Bremen. In : Koordinationsstelle Fan Projekte bei der Deutschen Sportjugend (Hrsg.): KOS-Schriften 6, F.a.M. 1997, S.115 - 138.